Wie nennt man behinderte korrekt?

Die korrekte Bezeichnung für Menschen mit Behinderungen ist ein Thema, das im Laufe der Zeit eine Entwicklung durchgemacht hat und weiterhin Veränderungen unterliegt. Es ist wichtig, dass die Sprache, die bei der Bezugnahme auf Menschen mit Behinderungen verwendet wird, respektvoll ist und ihre Würde wahrt. In Deutschland wird großer Wert darauf gelegt, dass Menschen nicht auf ihre Beeinträchtigungen reduziert werden, sondern dass ihre Individualität im Vordergrund steht.

In der offiziellen Kommunikation und in den Medien wird häufig der Begriff „Menschen mit Behinderungen“ anstelle von veralteten oder diskriminierenden Ausdrücken verwendet. Dieser Terminus betont das Menschsein und stellt die Behinderung als eine von vielen Eigenschaften dar, die eine Person haben kann. Weiterhin wird Wert darauf gelegt, die Person vor der Behinderung zu nennen, also „Menschen mit Behinderungen“ statt „behinderte Menschen“ zu sagen.

Der Sprachgebrauch im Kontext von Behinderungen ist auch Gegenstand gesellschaftlicher Debatten. Organisationen, die sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen einsetzen, sind häufig beteiligt, um Bewusstsein zu schaffen und Empfehlungen für eine angemessene Sprache zu geben. Ziel ist es, durch einen achtsamen Umgang mit Sprache ein inklusives Gesellschaftsbild zu fördern, in dem alle Menschen unabhängig von ihren Fähigkeiten anerkannt und respektiert werden.

Begriffsklärung

Die korrekte Bezeichnung für Menschen mit Behinderungen ist ein wichtiger Aspekt der sozialen Sensibilität. Es geht darum, angemessene und respektvolle Sprache zu wählen, um Inklusion und Gleichberechtigung zu fördern.

Definition von Behinderung

Eine Behinderung ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Einschränkung der Aktivität oder der Partizipation, die sich aus einer Wechselwirkung zwischen gesundheitlichen Problemen und persönlichen sowie umweltbedingten Faktoren ergibt. In Deutschland regelt das Neunte Sozialgesetzbuch (SGB IX) die Rechte von Menschen mit Behinderungen und beschreibt Behinderung als eine längerfristige Abweichung der körperlichen Funktion, geistigen Fähigkeit oder seelischen Gesundheit vom typischen Zustand der Altersgruppe, welche die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigt.

Sprachliche Sensibilität

Die sprachliche Sensibilität spielt eine entscheidende Rolle bei der Ansprache von Menschen mit Behinderungen. Grundsätzlich gilt, dass nicht die Behinderung, sondern die Person im Vordergrund stehen sollte. Begriffe wie „Menschen mit Behinderungen“, „Menschen mit Einschränkungen“ oder „Menschen mit Beeinträchtigungen“ werden empfohlen. Auch wichtig ist, dass durch die Sprachverwendung keine Stereotypen oder Vorurteile verstärkt werden. Die Verwendung des Begriffs „behindert“ als Adjektiv anstatt als Hauptwort soll vermeiden, eine Person auf ihre Behinderung zu reduzieren.

Historische Entwicklung

Im Laufe der Zeit hat sich die Bezeichnung für Menschen mit Behinderungen erheblich verändert. Diese Veränderungen spiegeln den Wandel im gesellschaftlichen Verständnis und in der Haltung gegenüber Behinderung wider.

Wandel der Begriffe

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden oft Begriffe wie „Krüppel“ oder „Idiot“ verwendet, die jedoch stark abwertend wahrgenommen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine langsame Veränderung, und es wurden neutralere Begriffe wie „Behinderte“ etabliert. In den 1970er Jahren gewann der Begriff „Menschen mit Behinderungen“ an Bedeutung, um die Person und nicht die Behinderung in den Vordergrund zu stellen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die Formulierungen weiter, und es entstanden Ausdrücke wie „Menschen mit Beeinträchtigungen“ oder „Menschen mit Handicap“.

Einfluss der Behindertenbewegung

Die Behindertenbewegung, die in den 1980er Jahren an Fahrt gewann, spielte eine entscheidende Rolle für die Begriffsentwicklung. Aktivisten setzten sich für ein verändertes Bewusstsein ein und forderten eine Sprache, die Selbstbestimmung und Gleichberechtigung ausdrückt. Die sogenannte „Krüppelbewegung“ förderte Begriffe wie „behindert sein“ statt „behindert“ als Ausdruck einer gesellschaftlich erzeugten Barriere statt eines individuellen Defizits. In den darauf folgenden Jahrzehnten etablierte sich in Deutschland vermehrt die Selbstbezeichnung „Menschen mit Behinderung“, welche die UN-Behindertenrechtskonvention widerspiegelt und bis heute weit verbreitet ist.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

In Deutschland und international gibt es rechtliche Rahmenwerke, die den Umgang mit und die Rechte von Menschen mit Behinderungen regeln. Diese Gesetze und Konventionen sind maßgeblich für die korrekte Bezeichnung und die Gleichstellung in verschiedenen Lebensbereichen.

UN-Behindertenrechtskonvention

Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ist ein internationales Übereinkommen, das die Rechte von Menschen mit Behinderungen stärkt. Sie wurde im März 2007 verabschiedet und von Deutschland 2009 ratifiziert. Die Konvention betont BarrierefreiheitGleichberechtigung und inklusive Bildung.

Deutsches Behindertengleichstellungsgesetz

Das Deutsche Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) verfolgt den Zweck, die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen und ihnen die gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. Es legt fest, dass öffentliche Stellen des Bundes Barrierefreiheit in verschiedenen Bereichen gewährleisten müssen, darunter auch Kommunikation und Zugang zu Informationen.

Angemessene Kommunikation

Im Kontext der angemessenen Kommunikation ist es entscheidend, Respekt und Sensibilität zu zeigen. Die Wahl der richtigen Terminologie und der Umgang in verschiedenen Situationen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Umgang in der Öffentlichkeit

In der öffentlichen Kommunikation sollte stets ein respektvoller Umgang gegenüber Menschen mit Behinderungen gewährleistet sein. Zu beachten ist, dass die individuelle Person im Vordergrund steht und nicht ihre Behinderung. Es wird empfohlen:

  • Auf die Körpersprache zu achten; nonverbale Signale können ebenso wichtig sein wie verbale.
  • Den persönlichen Raum zu respektieren und nicht ungefragt Hilfestellung zu leisten.

Empfehlungen für den Sprachgebrauch

Die Sprache hat einen erheblichen Einfluss darauf, wie Menschen mit Behinderungen wahrgenommen werden. Folgende Leitlinien helfen, einen angemessenen Sprachgebrauch zu fördern:

  • Person-first-Formulierung: „Person mit Behinderung“ statt „behinderte Person“.
  • Vermeidung von veralteten oder diskriminierenden Begriffen.
Empfohlene Ausdrücke Zu vermeiden
Person mit Behinderung Behinderter
Menschen mit Lernschwierigkeiten Geistig Behinderte
Mobilitätseingeschränkt Gehbehindert

Dieser respektvolle und bewusste Sprachgebrauch trägt zu einer inklusiven Gesellschaft bei.

Perspektiven der Inklusion

Inklusion beinhaltet nicht nur physische Zugänglichkeit, sondern auch sprachliche Sensibilität. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Vermeidung von Diskriminierung und der Förderung von Gleichheit.

Bedeutung der Sprache für Inklusion

Die Wahl der Worte kann inkludierend oder ausschließend wirken. Präzise und respektvolle Sprache ist essentiell, um Menschen mit Behinderungen als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft anzuerkennen. So bevorzugt man Begriffe, die die Person vor ihre Beeinträchtigung stellen, wie „Menschen mit Behinderung“ statt „behinderte Menschen“.

  • Inklusive Sprache: Vermeidet Stigmatisierung
  • Personenbezogene Nomen: Stellen Menschen in den Vordergrund

Herausforderungen und Chancen

Die Inklusion von Menschen mit Behinderung stößt auf Herausforderungen, bietet aber auch Chancen für die Gesellschaft:

  1. Bewusstsein schaffen: Schulungen können das Verständnis für die Bedeutung inklusiver Sprache fördern.
  2. Gesetzliche Rahmenbedingungen: Sichern die Implementierung inklusiver Sprachrichtlinien.

Herausforderungen wie unbeabsichtigte Diskriminierung durch Sprache können durch Aufklärung und aktive Sensibilisierung überwunden werden. Dadurch entstehen Chancen für eine inklusivere Gesellschaft, in der Vielfalt und Gleichberechtigung zentrale Werte darstellen.